Meine kleine Schimmelfreundin - ein Jugendtraum
[24.08.2002 • Autor: Anja S.]


Als ich die kleine weiße Stute zum ersten Mal sah, war sie gerade neu "eingekauft" worden. Sie rumpelte mit einer braunen kleinen Stute namens "Hrisla" den großen Pferdehänger runter. Über welche Wege sie kam, weiß ich nicht genau. Ob es ein Händler war oder ein Privatmann, ist
unklar. Klar ist jedoch, dass das kleine Schimmelstütchen von einem gemischten Ponyhof eingekauft wurde. Ein alter Islandhof hatte Pleite gemacht und die neuen Besitzer kamen eigentlich mehr aus der Großpferderichtung. Doch kauften sie Ponys egal welcher Rassen hinzu. Dabei waren Isländer genauso wie Shettys oder Haflinger. Auch wenn keiner Ahnung hatte, was Tölt ist.

Sobald ich wieder auf dem Hof war, wollte ich die kleine weiße neue Stute
reiten. Das war kein Problem, da sich sonst niemand für sie interessierte. Es war anfangs allerdings nicht wirklich schönes Reiten, z.B. wollte sie nicht
galoppieren. Es ging nur, Schritt und Trab zu reiten. Obwohl sie wirklich nicht
faul war. Aber ich ritt sie von nun an immer. Ich hatte mich total in die
Kleine verguckt. Nach dem ersten Ausritt in der Gruppe als die anderen uns davon galoppierten, war auch der Galopp gefunden und dabei sollte es gangmäßig bleiben. Es folgte eine sehr schöne Zeit. Wann immer ich konnte, ritt ich die kleine Maus. Wir haben Weihnachts-Theaterstücke zusammen aufgeführt. Und sie trug mich durch die erste Reitabzeichenprüfung, die ich hatte. Ich ritt sie alleine und in der Gruppe. Sie entwickelte sich zu einem sehr angenehmen Reitpferd. Sie hatte ein gutes Temperament, ging flott und fleißig vorwärts, aber war immer sehr gut zu halten. So wie ein ideales Reitpferd eigentlich sein sollte.
Leider sprach sich das bald auch auf dem Hof herum. Und schnell begannen auch die andere Reiter, sich für "meine" Kleine zu interessieren.

Dann kam ein entscheidender Einschnitt. Meine Eltern wollten mir ein eigenes Pferd kaufen. Der Hof wollte die Schimmelin aber nicht abgeben, da sie sehr beliebt war und daher Geld brachte. Wir kauften eine junge Kohlfuchsstute. "Meine" Schimmelin blieb in der Reitschule und musste Geld verdienen. Ich ging aber regelmäßig hin, um nach ihr zu schauen und sie zu besuchen. Oft
war das abends und ich rief sie vom Zaun aus zu mir. Sie ist IMMER gekommen. Als sie älter wurde, habe ich erneut den Hof gefragt, ob er sie mir nicht verkaufen will, dass sie bei mir ihre Rente bekommt. Der Hof wollte das nicht. Die Stute lief trotz altersbedingter Arthrose weiter im Schulbetrieb. Immer öfter hörte ich, sie würde lahm gehen und machte mir große Sorgen. Immer mehr fragte ich, ob sie sie nicht endlich verkaufen wollen. Doch der Hof winkte ab. Da ich von früher wusste, dass der Hof die Pferde so lange laufen lässt, bis es nicht mehr geht und sie dann zum Schlachter gibt, wollte ich ihr dies ersparen. Dann wurde der Hof verkauft. Als ich das hörte, ging ich wieder hin und fragte nach. Wieder hörte ich: "Eher geht die Welt unter, als das wir dies Pferd verkaufen." Sie wollten sie mitnehmen zu ihrer neuen Wohnung. Doch wo sollte das sein? Ich versuchte rauszubekommen, wohin die Familie ziehen wollte. Dann kam nach einer Woche der Anruf, auf den ich seit Jahren gewartet hatte: "Wenn du sie haben willst, komm her. Dann musst du sie noch heute vom Hof holen." Natürlich fuhr ich sofort hin. Doch so bescheuert hatte ich noch nie ein Pferd gekauft. Der Preis war viel zu hoch. Ich hatte nur eine Stunde Zeit, sie zu holen, sonst wollte der Besitzer doch nicht verkaufen. Die Papiere waren "verloren" oder nie vorhanden.
Und er belog mich bei ihrem Alter. Damals war sie 22. Er behauptete sie sei
14. "Hrilsa" die braune Stute wäre 14 gewesen, wenn sie noch am Leben wäre. Sie ging an Darmverschluss schon nach 2 Jahren ein.

Nun war "meine" Schimmelin endlich bei mir. Mehr als das, was ich mit ihr
erlebt habe, weiß ich nicht über sie. Ich weiß noch nicht einmal ihre Abstammung oder, ob der Name, der mir vor Jahren gesagt wurde, wirklich richtig ist. Wir nannten sie immer "Rixi". Auch ihr Alter kann ich nur zurückschätzen nach dem, was der Mann damals sagte, der sie mit "Hrisla" zusammen den Hänger runterführte. Damals war sie 12. Dann ist sie heute 26 Jahre alt. Sie hat keine einfache Zeit gehabt in der Reitschule. 3 Stunden täglich waren locker mal drin. Doch ist sie noch sehr fit. Die Lahmheit ist nur ein einziges Mal noch aufgetaucht. Ansonsten ist sie lahmfrei. Ab und zu bewege ich sie noch. Doch dann spanne ich sie vor einen Sulky. Ich bin immer wieder erstaunt, wie intelligent dieses Pferd ist. Und wie gut sie die Zeit als Schulpferd weggesteckt hat. Sie ist ein richtiges kleines Traumpferd. Und ein sehr treues Pferd, die mit einem überallhin geht. Wir beide sind
zusammen erwachsen und älter geworden. Denn sie ist genauso alt wie ich. Ich hoffe sie bleibt uns noch lange so fit und munter erhalten.








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