www.taktklar.de - 09.04.2003
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Autor: Taktklar Redaktion (E-Mail: info@taktklar.de)


  Teil 4, Gangreiten: 1. Vier Gänge und viele Tendenzen

Nach der Basisarbeit im Schritt schalten wir nun ein paar Gänge höher: Heute gibt Ihnen Maike Morbach Tipps zum Tölt, Trab und Galopp bei tendenziell viergängigen Pferden. Da Einteilungen in Drei-, Vier- oder Fünfgänger die verschiedensten Islandpferdetypen nur grob erfassen können und sich die Gangverteilung während der Ausbildung verschieben kann, unterscheiden wir hier nach verschiedenen Gangtendenzen: tendenziell vier-, fünf- oder dreigängig.

Tipps für das tendenziell viergängige Pferd

Tölt

Unser "Beispiel-Viergänger" Orri im Tölt..
Im Tölt kann man bei diesem Typ grundsätzlich Pferde mit Trabtölt und Pferde mit Passtölt unterscheiden.

1. Der tendenziell trabige Tölter

- Der Trabtölter setzt häufig seine Hinterhand ungenügend ein und fällt auseinander. Hinzu kommen meist Haltungsfehler des Pferdes, die durch reiterliche Einwirkungsfehler (zu viel Zügeleinsatz, zu wenig treibende Hilfen) oder durch Gebäudefehler bedingt sein können.
- Nutzen Sie die Schrittarbeit als Basis, um an der Versammlung des Pferdes zu arbeiten.
- Tölten Sie nur kurze Strecken (und wenn es nur drei, vier oder zehn Meter sind!) und zwar so lange, wie das Pferd taktklar bleibt. Achten Sie dabei auf saubere Übergänge vom Tölt zum Schritt; ziehen Sie zum Durchparieren nicht einfach am Zügel, sondern bemühen Sie sich dabei, das Pferd gegen den annehmend-nachgebenden Zügel zu treiben, damit es seine Hinterhand aktiv behält und im Genick nachgibt. Letzteres gilt besonders für Pferde, die sich zu hoch aufrichten.
- Nehmen Sie bei Trabtöltern einen ‚positiv angespannten’ Sitz ein: Richten Sie sich selber mit geradem Rücken gut auf, kippen Sie nicht nach vorne.
- Sie können auch probieren, solche Pferde aus dem Halt, aus dem Rückwärts oder aus Seitengängen – sprich: aus versammelnden Lektionen - heraus anzutölten. Aber Vorsicht: Machen Sie dies nicht zu oft, denn sonst verknüpft das Pferd die entsprechende Lektion mit dem Tölt und lernt diesen Zusammenhang quasi auswendig.
- Ein Pferd, das den Tölt erst lernt und trabig töltet, kann evtl. Gewichte an die Hinterhufe bekommen. Geht ein ursprünglich trabig töltendens Pferd dann während seiner Ausbildungszeit plötzlich phasenweise Passtölt, so ist dies kein Fehler: Durch die starke Spannung (Passtölt) festigt sich der Tölt.

2. Der tendenziell passige Tölter

a) Passtölt durch Stress

- Solche Pferde sollten Sie durch bekannte (und damit stressfreie) Übungen lösen, wie Galopp, Volten, Schenkelweichen o.ä.
- Einen stressigen Passtölter dürfen Sie eher auseinanderfallen und in Richtung Trabtölt reiten. Hierbei ist der Trabtölt, wenn er phasenweise auftritt, kein Taktfehler, sondern eine Stufe zum Lockerwerden des Pferdes.
- Bemühen Sie sich um einen eher spannungslosen, lockeren Sitz.
- Evtl. können Gewichte an den Vorderhufen helfen.
- Experimentieren Sie mit verschiedenen Übungen: Traben über Cavalettis, Galopp auf beiden Händen, Tölten auf tiefem oder weichem Boden, Biegungen im Tölt (z.B. Schlangenlinien), bergauf und bergab bzw. querfeldein tölten.

b) Faule Passtölter

- Töltet Ihr Pferd in besonderen Situationen (neue Strecke im Gelände, ein Fasan fliegt auf, es ist windig...) taktklar und sonst passig, dann fehlt ihm wahrscheinlich eine positive Spannung und es geht zu lasch.
- Die Schrittarbeit kann helfen, Spannung und Energie aufzubauen.
- Aktivieren Sie die Hinterhand des Pferdes mit der Gerte. Probieren Sie Übergänge zwischen Schritt, Halt oder Rückwärts zum Tölt. Hier sind alle Lektionen wichtig, die Energie bringen und die Hinterhand aktivieren.
- Passen Sie bei Gewichten auf: Der faule Passtölter wird dadurch tendenziell auf die Vorhand kippen und schwer im Maul. Es gilt: Eher die Hinterhand aktivieren, als die Vorhand manipulieren!

Trab

im Trab mit guter Aufrichtung...
- Tendenziell viergängige Pferde verfügen meist über einen ausgeprägteren, sichereren Trab als Fünfgänger. Mit der entsprechenden Gymnastizierung können diese Pferde lernen, in schöner Haltung und mit aktiver Hinterhand zu traben.
- Ist Ihr Pferd stark trabveranlagt und trabtöltig, so sollten Sie besser erst nach einer Töltphase traben. Bei passtöltigen Pferden sollten Sie evtl. erst traben und dann tölten, denn das Traben kann den zu stark angespannten Rücken lockern.
- Die Basis für das Trabtraining ist wieder die Schrittarbeit, die es ermöglicht, den Trab mit Aufrichtung, lockerem Genick, Hinterhandeinsatz und in verschiedenen Biegungen/Seitengängen und Tempi zu reiten.
- Viergänger mit stark ausgeprägten Grundgangarten und wenig Tölt haben vermutlich ein Talent für die klassische/klassisch-iberische Dressur, da diese Pferde trotz starker Körperspannung in schwierigen, versammelnden Lektionen wie Trabtraversalen, Halbe Tritte, Piaffe nicht in den Tölt wechseln.
- Dies ist eine stark gymnastizierende Übung, die viel Aufmerksamkeit und Gleichgewicht vom Pferd erfordert: Reiten Sie im Trab auf dem Mittelzirkel und lassen Sie das Pferd jeweils an den offenen Seiten eine Volte nach außen ausführen.
- Üben Sie kein starres Reiten von Bahnfiguren aus, sondern reiten Sie auch auf erdachten Bahnfiguren (z.B. Mittellinie mit Volten) und in verschiedenen Tempi. Dies macht die Pferde aufmerksam, bringt sie von der Hand weg und aktiviert die Hinterhand.

Galopp

und im gut gesprungenen Galopp.
- Auch der Galopp wird bei viergängigen Pferden eher gut sein.
- Faule Pferde können durch kurze Galopp-Sprints aufgeweckt werden. Bei stressigen Pferden kann der Galopp zuviel negative Spannung abbauen.
- Galoppieren Sie auf beiden Händen, um beide Pferdeschultern zu lösen.
- Sitzen Sie möglichst aus, wenn Sie es können, damit Sie die Hinterhand des Pferdes aktiv rantreiben können.
- Das Ziel ist wieder: Aufrichtung, lockeres Genick, guter Schwung aus der Schulter, aktive Hinterhand.
- Das Pferd sollte auf Ihre Hilfen hin direkt angaloppieren und nicht in den Galopp reinrennen. Gegen letzteres Problem können häufiges Angaloppieren aus dem Trab oder aus dem Stand und zwischendurch ruhiges Reiten auf dem Zirkel helfen (Vorsicht: Das Angaloppieren nicht übertreiben; das Pferd könnte hitzig werden!).
- Übungen im Galopp können Tempo-Unterschiede, Zirkel, Angaloppieren aus dem Stand oder Schritt (je nach Temperament des Pferdes) sein. Sie verbessern das Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit, den Einsatz der Hinterhand.

So, nun haben Sie viel Stoff zum Ausprobieren. Nächstes Mal kommen dann die tendenziell fünfgängig bzw. dreigängig veranlagten Pferde dran.

Achtung: Unsere Tipps sind zwar sorgfältig erwogen und aus dem eigenen Erfahrungsschatz, dennoch übernehmen wir keine Garantie für deren Richtigkeit und auch hier gilt: Im Zweifel immer fachkundige Hilfe einholen!


 


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